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Datenbank (Stand 02/2010)
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2 Prädiktion, Funktion, Prävention (Journal of      preventive medicine 2008)
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2 Mobile Klienten - mobile Diagnostik (Journal of      preventive medicine, 04/2008)
2 Chronischer Stress (Journal of preventive      medicine, 03/2007)
2 BrainStim – Hirnstimulation als Präventions- und      Therapiemaßnahme (NeuroGeriatrie, 2007)

2 BrainStim – Wirksamkeit eines neu
     entwickelten kognitiven Trainingsprogramms
     bei MS (Neuro Rehabil, 2008)


 


Fibromyalgie-Syndrom

Die Prävalenz des Fibromyalgie-Syndroms (FMS) beträgt zwei bis acht Prozent der erwachsenen Bevölkerung, betroffen sind zu 90 Prozent Frauen 33. Das Prädilektionsalter liegt zwischen 30 bis 60 Lebensjahren, es wird jedoch zunehmend auch bei Kindern diagnostiziert 6,10,61 . Eine familiäre Häufung (meist: Mutter-Tochter) ist belegt 41. Die Inzidenz ist erhöht (6 bis 30 Prozent) bei Patienten mit Polyarthrose, chronischem Rückenschmerz, Diabetes mellitus, Multipler Sklerose, Rheumatoider Arthritis, Sjögren Syndrom, SLE (Systemischer Lupus erythematodes), M. Crohn, Colitis ulcerosa, Endometriose, Hepatitis C- und HIV-Infektion 10,18,23 . Die Ursachen sind unklar. Die FMS Symptome können hier zu Fehleinschätzungen mit konsekutiver Übertherapie der Grunderkrankung führen.
Psychosoziale Faktoren können Entstehung und Verlauf des FMS beeinflussen, bis zu 70 Prozent der Patienten geben anamnestische oder aktuelle psychische oder physische Traumata an. Psychische Traumatisierungen (körperliche Gewalt, sexueller Missbrauch) gelten als Prädilektionsfaktoren, der Zusammenhang von physischen Traumata (z. B. Unfällen) mit der Entwicklung eines FMS ist nicht eindeutig belegt 2,12,23 .

Volkswirtschaft
Die volkswirtschaftliche Belastung durch das FMS ist enorm: Nach neueren US-amerikanischen Untersuchungen betragen die direkten Kosten (vor allem Medikamente und Arztbesuche) pro Patient und Jahr 5 945 US Dollar 11,48 . Nicht darin enthalten sind Positionen wie Arbeitsausfall, Ausgleichszahlungen, Operationen, Krankengymnastik und Psychotherapie. Ohne Berücksichtigung der eingeschränkten Übertragbarkeit dieser Daten wären das für Deutschland umgerechnete Jahres-Gesamtkosten (inkl. der indirekten Kosten = zwei-drei mal direkte Kosten) von ca. 7,8-31,2 Milliarden EUR. Eine neuere deutsche Multicenter-Studie zeigte, dass 81 Prozent der FMS-Patienten fortlaufend physikalische Anwendungen und 41 Prozent Psychotherapien durchführen 36 .

Pathogenese
Die Pathogenese des FMS ist unklar. Bei den Patienten wird reproduzierbar eine pathologische zentralnervöse Schmerzverarbeitung unter Einbeziehung neuroendokrinologischer Regulationsmechanismen und eine verminderte periphere Schmerzschwelle nachgewiesen 14,18,61 .
Eine zentrale Rolle scheint ein gestörter Serotonin-Metabolismus zu spielen. Durch Blockade der Serotonin-Synthese mittels p-Chlorphenylalanin können FMS-Symptome induziert werden 52 . Serum- und Liquoranalysen von FMS-Patienten zeigen pathologisch niedrige Konzentrationen von Parametern des Serotonin-Metabolismus (Melatonin, Tryptophan, 24 h 5-Hydroxyindolessigsäure-Ausscheidung) 18,25,51 . Letztlich ist jedoch noch nicht klar, ob diese Veränderungen Ursache oder Folge des FMS darstellen.

Die Konzentration des Schmerzmediators Substanz P ist im Liquor bis zu 3-fach gegenüber Gesunden erhöht 50 . Substanz P stimuliert die Synthese von IL-8 (fördert Schmerz) und IL-6 (vermittelt Hyperalgesie, Abgeschlagenheit und Depression). Im Überstand von mononukleären Zellen wurde eine mit der Zeitdauer der FMS korrelierende Überproduktion von IL-1 Rezeptorantikörpern, IL-8 und IL-6, nachgewiesen 62 .

In Muskelbiopsien nachgewiesene Veränderungen wie „rubber- (oder taut-)band“-Struktur, „moth-eaten-“ und „ragged red“-Muskelfibrillen, mitochondriale Proliferationen, verdickte Kapillarendothelien, verminderte Perfusion und reduzierter ATP-Gehalt (Adenosin-Triphosphat) stellen am ehesten die Folge einer lokalen Hypoxie (schmerzbedingte Immobilität?) dar 5 .



Symptome
Leitsymptom sind multilokuläre Schmerzen. Die Schmerzgeneralisierung beginnt häufig in der paravertebralen Muskulatur 10 . FMS-Patienten werden drei bis fünf mal häufiger als die Normalbevölkerung operiert (meist: Wirbelsäule, Knie, Unterleib) 10,58 . Kopf- und Gesichtsschmerzen werden von bis zu 85 Prozent der Patienten angegeben, nicht selten liegt ein zahnärztlich behandelbarer Bruxismus vor. Zu Verwechslungen mit inflammatorisch rheumatolo-gischen Erkrankungen kann das Schwellungsgefühl von Fingern und Füßen führen. Die meisten Patienten leiden unter vegetativen/funktionellen Symptomen wie Hypotonie, Schweißneigung, nicht erholsamer Schlaf, Abgeschlagenheit, Morgensteife, Kälteintoleranz, Trockenheit der Schleimhäute, Raynaud-Phänomen, Reizdarm und -blase, Herzpalpitationen, Par- und Dysästhesien und Restless Legs Syndrom 10,18,61,65 . Die vegetativen Symptome können stärker beeinträchtigen als die Schmerzen selbst. Depressionen und Angsterkrankungen finden sich je nach Autor und Diagnosekriterien bei bis zu 60 Prozent der Patienten. Andere psychiatrische Diagnosen werden nicht gehäuft nachgewiesen 15 .

Diagnostik
Rheumatologische Erkrankungen wie Kollagenosen, Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, Polymyalgia Rheumatica und Vaskulitiden, Sarkoidose, Myopathien sowie metabolische und endokrinologische Störungen sollten ausgeschlossen werden.

Die Diagnose erfolgt anhand der 1990 publizierten Kriterien des American College of Rheumatology 65 (s. Tab. 1). Die Tender Punkte sollen mit vier kp/cm2 gedrückt werden. Das entspricht etwa einem Druck bis zur Weißfärbung des Fingernagels. Die Tender Punkte befinden sich meist an Sehnen/Muskelübergängen, Blutperfusion und Hauttemperatur sind dort vermindert 28,30 . Außer der Ganzkörperuntersuchung ist eine detaillierte psychosoziale Anamnese notwendig. Bei Auffälligkeiten sollte durch eine psychiatrische Abklärung ergänzt werden.

Spezifische Laborauffälligkeiten fehlen. Labortechnisch genügt zunächst die Kontrolle von BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit), CRP (C-reaktives Protein), Elektrolyten, Differenzial-Blutbild, TSH (Thyroid stimulierendes Hormon), Rheumafaktoren, ANA (antinukleäre Antikörper) und CK (Creatinkinase). Niedrige ANA ohne Subtypen treten bei bis zu 30 Prozent der FMS-Patienten auf und sollten zunächst zur weiteren Diagnostik führen 3 .

Die kostenintensiven Liquor- oder Serum-Analysen auf Serotonin, Substanz P oder anti-Serotonin-Antikörper besitzen weder diagnostische noch therapeutische Relevanz. Sie sind daher wissenschaftlichen Fragestellungen vorbehalten 31 .

Prognose
In der Regel muss von einem jahre- oder jahrzehntelangen Verlauf ausgegangen werden. Jugendliche Patienten besitzen nach ersten Studien eine günstigere Prognose. Langzeitbeobachtungen mit adulten Patienten im ambulanten Bereich zeigen günstige Einflüsse von Frühdiagnose und -therapie (nach zwei Jahren erfüllten nur noch 50 Prozent die FMS-Kriterien) 17,21 . Patienten mit später Diagnose und psychischen/physischen Traumata in der Vorgeschichte weisen ungünstigere Verläufe auf und werden gehäuft in spezialisierten Zentren vorgestellt 18,64 . Eine große Langzeitstudie zeigte ein Nachlassen der Beschwerden nach dem 65. Lebensjahr 29 .

Begutachtung und Verlaufsparameter
Hier sei auf entsprechende Fachartikel verwiesen 45,54 . Wie bei anderen Schmerzerkrankungen ist bei der Einschätzung des Grades der Behinderung die Objektivierung von Schmerzen das Hauptproblem. Als Messinstrumente können visuelle Analogskalen, Dolorimeter und Tender Point-Score, für die Einschränkung der funktionellen Aktivität und vegetativer Symptome der für Deutschland validierte Fibromyalgia Impact Questionnaire (FIQ) herangezogen werden 40 .
Bei FMS ist in der Regel von halb- bis vollschichtiger Arbeitsfähigkeit für leichte und mittelschwere Arbeiten auszugehen. Erwerbsunfähigkeit kann bei schwerer psychiatrischer Komorbidität eintreten 6,46 .

Therapie: Allgemeines Vorgehen, medikamentös und nicht medikamentös



Allgemeines Vorgehen
Patienten mit FMS weisen vor Diagnosestellung häufig eine Vielzahl von Arztbesuchen, Abklärungs- und Therapieversuchen auf. Dieses nimmt nach Diagnosestellung ab 63 . Der Patient gibt häufig Erleichterung an, er kann sich auf die Besserung der FMS-Symptome konzentrieren und nicht auf die Suche nach einer Diagnose 18,63 .

In der Regel erfolgt die FMS-Therapie ambulant. Die kontinuierliche, vertrauensvolle und akzeptierende Arztbetreuung ist dabei die Voraussetzung für eine effektive und Kosten sparende Therapie 10,62 . Das einfühlsame, schulende und steuernde Arztgespräch trägt entscheidend zur Vermeidung von überflüssigen Untersuchungen und Maßnahmen bei. Es trägt zur Abwehr des überhöhten Leistungsanspruchs und der Überlastungsneigung der Patienten bei und stützt das individuelle psychosoziale System. Aufgrund der Vielfalt der Beschwerden und der damit verbundenen Patientenängste ist der ärztliche Zeitaufwand erheblich, eine adäquate Vergütung ist zu fordern. Die Zunahme von ärztlichen Spezialisierungen auf die Betreuung von FMS-Patienten ist wünschenswert. Stationäre Behandlungsmaßnahmen sind bei psychosozialer Dekompensation mit aktuellem oder sich abzeichnendem Verlust der Alltagsfunktionalität indiziert. Sie können in Einzelfallen als akute Krisenintervention eingesetzt werden und sollten ausschließlich in auf FMS spezialisierte Zentren durchgeführt werden (s. Abb. 1).

Literatur
Literatur und Anhang (Thema: Schmerzbewältigung) bei Dr. Pontus Harten
Dr. Pontus Harten, Sophienblatt l, 24103 Kiel, Dr. Matthias Apelt, Brüggerer Chaussee 23, 24582 Wattenbek, Dr. Joachim Georgi, Ostseeklinik Damp, Postfach 20 00, 24349 Damp, PD Dr. Martin Gleim, Klinik f. Anästhesiologie u. operative Intensivmedizin, UK S-H, Campus Kiel, Schwanenweg 21, 24106 Kiel, Dr. Konrad Heinrichs, Rheumaklinik Bad Bramstedt, Oskar-Alexander-Str. 26, 24576 Bad Bramstedt, Dr. Kerstin Jepsen-Schiemann, Am Hang l, 24955 Harrislee, Dr. Volker Lindner, Klinik f. Neurologie im Zentrum f. Nervenheilkunde, UK S-H, Campus Kiel, Niemannsweg 147, 24105 Kiel, Dr. Joerg Schneidereit, Medizinischer Dienst der Krankenversicherung Schleswig-Holstein, Jägersberg 23, 24105 Kiel, Prof. Dr. Johann Oltmann Schröder, Rheuma-Ambulanz, II Medizinische Klinik und Poliklinik, UK S-H, Campus Kiel, Chemnitzstr. 33, 24116 Kiel

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